Das erste Hundejahr - Teil 14
- Kristina Räder
- 8. Apr. 2021
- 2 Min. Lesezeit

11. Lebenswoche
Dein Welpe ist meist in diesem Alter schon im neuen Heim angekommen und ihr habt die ersten Tage miteinander erlebt.
In diesem Alter merkt man als Besitzer schon sehr deutliche Unterschiede, ob ein Welpe eine umsorgende und wohl durchdachte Aufzucht durchlebt hat, oder er, wie ich würde sagen gerade jetzt zu Corona Zeiten, oft auch aus profitablen Hundevermarktungsketten stamm, um dies einmal so auszudrücken.
Aus einer Studie von James Serpell (McMillan et al.,2013) ging hervor, dass Welpen aus ungeklärter Herkunft (Welpenfabriken, Zoofachgeschäft etc.) mit vielen Verhaltensweisen ins Gewicht fielen. Darunter fallen beispielsweise Aggression gegen fremde Menschen, aber auch Hunde. Mangelnde Stressresistenz und Furcht gegenüber neuen Dingen. Auch Angst vor dem Alleinsein und Berührungsempfindlichkeit können dazu gehören. Nun ist das Kind nicht in den Brunnen gefallen und man darf nicht denken, man könne daran nicht arbeiten, jedoch erfordert dies sehr viel Ruhe, Geduld und Konsequenz. Glücklicherweise lernen Hunde ein Leben lang, jedoch werden einige Dinge gerade in Stresssituationen gerne wieder auffallen. Es ist sehr empfehlenswert sich für einen solchen Prozess kundige Hilfe zu suchen!
Hat dein Welpe einen "guten" Start gehabt, dann könnt ihr mit gesundem Menschenverstand weiter in dem Thema der Sozialisierung gehen. Hier geht es z.B. um Umweltreize akustischer Natur, neue Orte, die zu deinem Leben gehören usw.
Bei allen Reizen, denen du deinen Welpen aussetzt, sollte für ihn nachvollziehbar sein, woher dieser kommt. Die Entscheidung, ob er sich damit auseinandersetzen mag, sollte dem Welpen überlassen werden und sein Tempo beachtet werden.
Hier gilt zu berücksichtigen, dass etwas beobachtendes Verhalten zu Beginn keine Scheu bedingt. Auch bei den Grundtypen der Persönlichkeit in der Hundewelt unterscheiden wir zwischen A- und B-Typen.
Der A-Typ kann mit wenigen Eigenschaften grob als extrovertiert, initiierend, unternehmungslustig beschrieben werden. Umgangssprachlich macht er, bevor er denkt.
Der B-Typ ist eher introvertiert, abwartend und schaut sich die Dinge erstmal an, bevor er handelt.
Beide Typen können sicher, oder unsicher sein und es ist als keine Wertung zu verstehen. Entscheidend ist einfach nur sich vor Augen zu führen, dass ein Hund, der nicht sofort auf alles stürmt nicht automatisch ängstlich und ein Hund, der sich unmittelbar an alles heran gibt nicht automatisch mutig und durchsetzungsstark ist.
Lerne deinen Welpen zu lesen, seinem Naturell entsprechend das Tempo zu gestalten um Überforderung zu vermeiden!
Geht es um akustische oder olfaktorische Reize, so ist es ratsam, den Welpen selbst eine Annäherung und auch immer wieder einen Rückzug zuzugestehen. Warum? So wird sein Körper lediglich mit einer "Stressdosis" konfrontiert, die er auch verkraften kann und unter der er noch in der Lage ist etwas hinzuzulernen. Zu jedem Lernen gehört eine Prise Cortisol. Das als Stresshormon bekannte Hormon weckt schnell negative Assoziationen, zum Lernen ist es jedoch elementar. Die Dosis macht es. Ist der Welpe mit einem Reiz so überfordert, dass sein Körper mit negativem Stresspegel reagiert, so wird er kaum noch etwas aus der Situation lernen, außer dass sie verdammt mies war. Macht also keinen Sinn.
Gerade in den ersten Stunden einer Welpengruppe ist hier drauf unbedingt zu achten! Zu dem Thema beim nächsten Mal mehr
Du hast Fragen, melde dich gerne!
kristina@hundepraxis.com
Ein paar Tipps für die ersten Tage im neuen Heim mit deinem Welpen kannst du auch aus dem kostenfreien Download "Start(p)up" bei mir erhalten:
Comments