Lernverhalten - Teil 4
- Kristina Räder
- 31. März 2021
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 6. Mai 2021

Nachdem in Teil 1-3 dieser kleinen Reihe die vier Varianten der operanten Konditionierung besprochen wurden (positive und negative Verstärkung, sowie positive und negative Bestrafung), sollen diese Begriffe heute mit etwas Leben gefüllt werden.
Anfangen möchte ich dabei mit der positiven Verstärkung, also dem Hinzufügen einer Belohnung für den Hund. Es ist ja gut zu wissen, dass es positive Verstärkung bedeutet, wenn ich ein Verhalten meines Hundes belohne, doch die entscheidende Frage ist im Hundetraining häufig, was alles überhaupt eine Belohnung ist und welche wann sinnvoll eingesetzt werden kann?
Und hier ist die Antwort für viele Hundebesitzer oft erst einmal verblüffend und auch etwas ernüchternd – es gibt weder DIE Belohnung, noch eine Regel, WANN WELCHE Belohnung „angewandt werden sollte“.
Warum das so ist?
Weil Hunde genauso individuelle Lebewesen sind, wie wir Menschen auch. Auch sie haben ihre Vorlieben. Mancher von uns mag gerne ein leckeres Eis in der Sonne als Belohnung für eine erfüllte Aufgabe, doch es soll auch Menschen geben, die gar kein Eis mögen.
Die meisten Menschen freuen sich über ein verbales Lob, doch anderen wäre vielleicht eine nette Geste lieber. Und genau so geht es unseren Hunden auch. Soll heißen: über die adäquate Belohnung entscheidet der jeweilige Hund weitestgehend selbst.
Manche Belohnung kann man ihm vielleicht „schmackhaft“ machen, doch in letzter Konsequenz entscheidet der Hund, ob er eine Belohnung als solche empfindet, oder eben nicht. Und selbst, wenn ein Hund etwas als Belohnung empfindet, dann kann die Bedeutung der Belohnung von Situation zu Situation schwanken.
Auch das kennen wir Menschen: meistens ist ein großes Eis zur Belohnung vielleicht eine schöne Idee, doch wenn wir gerade eine Diät machen und mühsam zwei Kilo abgenommen haben, kann es schon sein, dass wir ein Eis nicht gerade als Bestätigung empfinden, oder?
Was bedeutet das für unseren Alltag mit Hund? Zunächst einmal bedeutet das, dass wir unsere Hunde - gerade zu Beginn der gemeinsamen Zeit - unbedingt genau beobachten müssen. Was mag mein Hund wirklich? Was mag er am liebsten, was vielleicht etwas weniger gern? Dabei ist es oft von Vorteil, wenn wir uns die Persönlichkeitsstruktur und hier vor allem die Vorlieben unserer Hunde einmal ganz genau ansehen.
Ein Hund, der sehr jagdlich ist, den wird ein Jagdersatz-Spiel sicherlich mehr erfreuen als einen Hund, der dem Hasen noch „gute Nacht“ sagt, wenn dieser an ihm vorbei hoppelt. Ein Hund, der unheimlich verschmust ist und dem soziale Nähe insgesamt sehr wichtig ist, der wird diese vermutlich eher als Belohnung empfinden als ein Hund mit großer Eigenständigkeit und Individualdistanz.
Und wer die Persönlichkeit seines Hundes so gut kennt, der weiß oft noch mehr als nur, was eine gute Belohnung sein könnte; er weiß auch bereits, welches Verhalten er besonders belohnen muss.
Denn wenn ich einen richtigen Jäger an meiner Seite habe, dann weiß ich ja nicht nur, dass Jagdersatz für diesen schön wäre, sondern auch gleichzeitig, dass ich es sehr stark belohnen muss, wenn dieser Hund einem jagdlichen Reiz widerstehen kann.
Und wenn ich einen hoch sexuell motivierten Hund führe, dann weiß ich auch, dass ich ihn besonders loben sollte, wenn er die attraktiv duftende Nachbarshündin für mich ausnahmsweise mal links liegen lässt.
Bleibt noch die Frage, wann denn nun welche Belohnung Sinn macht!? Auch dies ist natürlich individuell, ein paar Tipps dazu finden sich jedoch im nächsten Beitrag…an gleicher Stelle!
Text A.Nowatzek
Du möchtest dich einmal zusammenfassend mit dem Thema Lernen beim Hund? Hier findest du den Online-Vortrag "Lernverhalten beim Hund"!
Du hast Fragen? Melde dich gerne!
kristina@hundepraxis.com
www.hundepraxis.com
Comments